Ärztegesellschaft dagegen

Medienmitteilung der Ärztegesellschaft Baselland vom 4.4.2017

 Nein zur Bruderholz-Initiative

Der Vorstand der Ärztegesellschaft Baselland lehnt die Bruderholz-Initiative ab, über die am 21. Mai 2017 abgestimmt wird, weil damit die geplante Spitalgruppe BS/BL verhindert und damit die grosse Chance einer zukunftsgerichteten Gesundheitsversorgung verunmöglicht würde.

Eine regionale Betrachtung der Gesundheitsversorgung und ein engeres Zusammengehen beider Basel im Spitalsektor entsprechen langjährigen Forderungen der Ärztegesellschaft Baselland. Dank der Bereitschaft der beiden Gesundheitsdirektoren Dr. Lukas Engelberger und Thomas Weber, diese Aufgabe partnerschaftlich anzupacken, ist eine historisch einmalige Gelegenheit entstanden, die regionale Versorgung zukunftsgerichtet zu gestalten.

Die Ärztegesellschaft Baselland unterstützt die strategischen Ziele der beiden Regierungen Basel-Stadt und Baselland, insbesondere

• die Optimierung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung der beiden Kantone,

• eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums im Spitalbereich und

• die langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in der Region.

Die Ziele des im September 2016 publizierten Grundlagenberichtes der Spitalgruppe sind aus Sicht der Ärztegesellschaft Baselland wünschbar und auch erreichbar.

Das ursprünglich kommunizierte Konstrukt eines isolierten „TOP“ (Tagesklinik für ambulante Operationen und interventionelle Eingriffe) am Standort Bruderholz wurde von der Ärztegesell-schaft Baselland im Hinblick auf die Versorgungsbedürfnisse der Bevölkerung im unteren Kan-tonsteil von Anfang an als klar ungenügende Lösung abgelehnt. In der Folge kam es zu intensi-ven und konstruktiven Gesprächen mit Gesundheitsdirektor Regierungsrat Thomas Weber so-wie mit den Verwaltungsräten und Direktoren des Kantonsspitals Baselland (KSBL) und des Universitätsspitals Basel (USB), die in wichtigen Bereichen zu einem Ausbau dieses rudimentä-ren Konzepts führten. Seit Herbst 2016 geht es nunmehr um einen „Campus Bruderholz“ mit TOP, Rehabilitation, der gesamten elektiven Orthopädie der Spitalgruppe sowie einer „Notfall-Permanence“. Form und Inhalt dieser Permanence sollen zusammen mit den zuweisenden Haus-ärztinnen und Hausärzten noch weiter konkretisiert werden. Der heute vorliegende Vorschlag für diesen „Campus Bruderholz“ verdient im Rahmen einer Gesamtbetrachtung nun auch die An-erkennung und Zustimmung seitens der Ärzteschaft.

Die Bruderholz-Initiative ist demgegenüber mit ihren fixen Vorgaben für den Vorstand der Ärztegesellschaft Baselland nicht akzeptabel (obwohl vom Grundgedanken her verständlich).

Die „erweiterte Grundversorgung“ auf dem Bruderholz ist mit den damit verbunden Spezialdisziplinen und den entsprechenden Vorhalteleistungen angesichts der in Liestal und am USB umfassend vorhanden Strukturen weder medizinisch notwendig noch finanziell tragbar. Auch das Aufrechterhalten einer stationären Grundversorgung (Medizin, Chirurgie, Gynäkologie) am Standort Laufen ist aus Sicht der Ärztegesellschaft Baselland weder medizinisch notwendig noch ökonomisch sinnvoll. Laufen ist vielmehr als „Portalklinik“ mit einer Notfalldrehscheibe, häufig benötigten Spezialsprechstunden und einer Schmerzklinik zu positionieren.

Die aktuellen Zahlen belegen klar, dass bereits heute nur rund ein Viertel der Patientinnen und Patienten aus dem unteren Baselbiet das Bruderholzspital für einen stationären Aufenthalt auswählen.

Für die Ärztegesellschaft Baselland ist die künftige Sicherstellung der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung das entscheidende Kriterium. Mit den geplanten Massnahmen der Spitalgruppe – zusammen mit den Angeboten der regionalen Privatspitäler – wird dieses Ziel erreicht. In Zeiten eines stetigen Wandels und im Lichte der rasanten medizinischen Entwicklung darf ein starres Festhalten an überholten Strukturen nicht gesetzlich festgeschrieben werden.

Eine Annahme der Bruderholz-Initiative würde die geplante Spitalgruppe BL/BS verhindern, ohne dass das Bruderholz als Spital der erweiterten Grundversorgung langfristig gerettet wer-den könnte. Mit Sicherheit würde damit aber die aktuelle Riesenchance auf ein zukunftsgerichtetes Zusammengehen von Baselland und Basel-Stadt vertan.

Für Rückfragen:

• Dr. med. Tobias Eichenberger, Präsident Ärztegesellschaft BL, Liestal

(E-Mail: tobias.eichenberger@hin.ch, Praxis-Telefon: 061 902 00 33)

• Lic. iur. Friedrich Schwab, Geschäftsführer Ärztegesellschaft BL, Sissach

(E-Mail: fschwab@hin.ch, Tel.: 061 976 98 08)